Wir haben einen Zizoo-Skipper dazu befragt, wie es ist seinen Job auf dem Meer zu haben

Jeder hatte sicher schon einmal die Fantasie als Skipper eines Bootes seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber wie sieht das Leben ohne Schreibtisch da draußen auf dem Meer wirklich aus? Wir haben mit dem Zizoo-Skipper Saša Drobac über das Leben als Seemann gesprochen.

Wie sah Ihre Ausbildung zum Skipper aus?

Ich habe schon in jungen Jahren damit begonnen. Sind meine Eltern mit mir in den Urlaub gefahren, dann waren wir dabei immer mindestens zwei Wochen segeln. Ich bin also praktisch auf dem Boot aufgewachsen. So habe ich das alles gelernt.

Wussten Sie schon immer, dass Sie auf einem Boot oder in einem Job der mit dem Meer zu tun hat arbeiten wollen?

Ja. Während ich aufgewachsen bin, wollte ich schon immer einfach auf dem Boot bleiben. Ich habe es außerdem als gute Möglichkeit betrachtet, Geld zu verdienen, Zeit auf dem Meer zu verbringen und Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Ich liebe meine Arbeit.

Gibt es Vorurteile über Menschen, die Boote lieben, die vollkommen falsch sind?

Viele sind der Meinung, dass segeln einfach zu teuer ist und es etwas ist, das sich nur die Elite leisten kann. Denkt man aber darüber nach: Haben Sie eine Gruppe Freunde und wollen segeln gehen, dann teilt man die Kosten einfach durch sechs oder acht und schon ist es sehr viel besser bezahlbar – und definitiv günstiger, als ein Hotel zu buchen. Das Beste daran ist, dass Sie bei der Buchung einer Bootsreise keine anderen Aktivitäten einplanen müssen. Sie können einfach aufstehen, sind sofort am Meer und können ins Wasser springen.

Glauben Sie, dass Sie das auch noch machen werden, wenn Sie älter sind?

Ja. Ich denke, wenn ich älter bin, dann wird das sogar noch besser. Ich werde dann nämlich jede Menge institutionelles Wissen und zusätzliche Erfahrung haben. Das schwerste, wenn man diese Arbeit langfristig macht, ist, dass man für längere Zeit nicht bei seiner Familie sein kann. Es ist daher manchmal nicht leicht, all diese Beziehungen aufrecht zu erhalten.

Was ist das Beste an Ihrer Arbeit als Skipper?

In erster Linie definitiv auf dem Meer zu sein. Ich liebe das Meer und von Insel zu Insel zu reisen. Diese „Take it easy“-Lebenseinstellung. Und segeln muss nicht unbedingt schnell sein. Man kann sich auf den Inseln entspannen, wirklich gutes mediterranes Essen genießen, jeden Tag an einem schönen Strand baden gehen und eben einfach, na Sie wissen schon, take it easy. Und Skipper werden übrigens nicht auf ihre Schwimmfähigkeit getestet. Das ist aber eine ziemlich wichtige Fähigkeit, die man haben sollte.

Was sind Ihrer Meinung nach die perfekten Wetter- und Windverhältnisse zum Segeln?

Es sollte sonnig und 25°C sein. Beim Wind sorgen 15 Knoten für ziemlich gutes Segel-Feeling. Das ist die perfekte Geschwindigkeit, um das Boot richtig zu spüren.

Das Beste am Segeln ist allerdings, wenn man den Motor ausstellt, die Segel hisst und sich das Boot immer noch bewegt und man den Wind spüren kann. Man hört nur die Wellen und ihr „rauschen“, das Boot verbraucht kein Benzin und lässt sich einfach nur treiben.

Was müssen Sie beim Segeln unbedingt dabei haben?

Skipper sollten immer Ihre weißen Polohemden und Arbeitshosen tragen und eine Regenjacke für schlechte Wetterverhältnisse dabei haben. Außerdem Sonnencreme. Eine gute Sonnencreme fürs Gesicht. Eine gute Mütze; ein Cappie ist auch in Ordnung. Eine wasserfeste Handyhülle. Und natürlich eine Sonnenbrille. 

Was empfehlen Sie bei Seekrankheit?

Zuerst sollten Sie Tabletten dagegen nehmen. Und auf dem Boot empfehle ich immer, dass man sich außerhalb der Kabine aufhalten sollte. Gehen Sie nicht in die Kabine, weil man das Schaukeln dort noch mehr spüren kann. Sehen Sie stattdessen auf den Horizont und konzentrieren Sie sich auf einen bestimmten Punkt. Und noch etwas, was ich von meiner Mutter gelernt habe: Essen Sie einfach mal was. Sowas wie eine salzige Brezel.

Was raten Sie Anfängern, die zum ersten Mal Segeln?

Eine Menge: Bewahren Sie auf dem Meer die Ruhe und achten Sie auf eine gute Kommunikation mit den Gästen. Sie sollten außerdem ein gutes Verhältnis zu den Angestellten des Yachthafens und zum Vorsteher des Hafens haben. Dazu müssen Sie die Techniken zum An- und Abdocken und die besten Orte in der Bucht zum Ankerwerfen kennen; wissen, wie man die Seile benutzt und immer, wirklich immer, den Wetterbericht kennen.

Was sind Ihre besten Segelgeschichten?

Eine der besten Geschichten ist aus meiner ersten Woche, in der ich als Skipper gesegelt bin. Wir waren auf dem Rückweg zum Hafen und der Wind hat sich auf ca. 30 Knoten gesteigert. Und plötzlich hat sich mein Genoa (eine Art Seil) verfangen und angefangen zu reißen. Also konnte ich das Segel nicht einholen. Die Wellen sind immer größer geworden und ich musste mir ein Messer nehmen, mich zum vorderen Teil des Bootes vorkämpfen, das Seil durchschneiden und es mit einem anderen Seil festknoten. Ich habe es dann geschafft Segel einzuholen, sodass am Ende alles gut gegangen ist. Das hätte aber wirklich schlecht enden können (z.B. wenn das Seil gerissen oder das Boot durch den starken Wind gekentert wäre). Das war alles andere als gut gewesen, weil es meine erste Woche bei der Arbeit war. Ich habe aber gelernt, in so einer Situation die Ruhe zu bewahren.

Ein anderes Mal konnte ich mein Dingi nicht finden – das ist das Beiboot, das man benutzt, um vom Boot bis ans Ufer zu kommen. Ich kam zurück, nachdem ich meine Gäste zu einem Strandclub gebracht hatte und wusste, dass ich es am Ufer gut angebunden hatte. Ich konnte es aber einfach nicht finden. Dann sah ich wie 200-300 Meter entfernt jemand mit meinem Dingi weggesegelt ist. Ich war mir 100% sicher: Das ist MEIN Dingi.  Also habe ich jemanden, der gerade wegsegeln wollte, gebeten, mich zu dem Kerl mitzunehmen. Als wir den Mann mit meinem Dingi eingeholt hatten, konnte ich sehen, dass er betrunken war. Er wusste weder, wo sein Boot war, noch wo erst selbst oder wer sein Skipper war. Ich schätze, wenn viele in den Urlaub fahren, dann trinken sie und lassen sich ein bisschen gehen. Es liegt allerdings an Skippern wie mir, mit solchen Situationen professionell umzugehen, nicht nervös zu werden und sicherzustellen, die Nerven zu behalten. Und übrigens: Mein Dingi habe ich am Ende zurückbekommen.

Wie schaffen Sie es, so ruhig zu bleiben?

Atmen ist unheimlich wichtig. Ich erinnere mich außerdem daran, dass sich meine Stimmung, wenn ich gestresst bin, auch auf meine Gäste überträgt. Also achte ich darauf, mehrmals tief einzuatmen, mir ein bisschen Zeit zu nehmen und sicherzustellen, dass es meinen Gästen gut geht.

Was machen Sie in der Nebensaison? (von November bis März/April)

Ich arbeite hier nur während der Saison bzw. als Sommerjob. Das ist nicht mein Hauptberuf. Natürlich arbeiten manche Skipper auch das ganze Jahr über. In der Nebensaison gehen Sie in die Karibik oder nach Thailand oder machen Überfahrten von Kroatien nach Frankreich oder in die Türkei. Ich persönlich arbeite allerdings als Kampfsportlehrer und als Privattrainer in einem Fitnessstudio. Im Winter bin ich als Skilehrer tätig. Viele Skipper arbeiten in der Nebensaison als Skilehrer. An diesem Vorurteil scheint also schon etwas dran zu sein!